Die Kirche und die Exkommunikation

19. März 2009 | Kategorie: Kirche und Welt, Top Artikel, Was sagt die Kirche wirklich?

exkommunikation.jpgIst es wirklich so, dass die Kirche unliebsame Denker “einfach so mal” exkommuniziert um sie loszuwerden? Was versteht man unter Exkommunikation wirklich?

Unter Exkommunikation versteht die Kirche den Ausschluss aus der sichtbaren Gemeinschaft der Katholischen Kirche. Sie soll zum einen eine Besserungsstrafe sein, d.h. durch die Exkommunikation soll eine Person zu einer Rückkehr in die volle Gemeinschaft bewogen werden.

Es gibt zwei Formen der Exkommunikation:

1. Die Exkommunikation als “Tatstrafe” - hier tritt der Auschluss aus der Kirchengemeinschaft sofort mit der begangenen Tat ein. Ein formelles Urteil muss nicht erst gesprochen werden, damit die Exkommunikation eintritt.

2. Die Exkommunikation als “Spruchstrafe”. Sie wird formell nach einer entsprechenden Untersuchung ausgesprochen. Meist handelt es sich hier um inhaltliche Fragen zu Glaube und Kirchendisziplin, die zuvor ausführlich diskutiert wurden.

Wurde eine Exkommunikation nicht formell ausgesprochen oder nach Eintritt der Tatstrafe eigens bestätigt, dann ist die Rückkehr zur Einheit mit der Kirche nicht sehr kompliziert (oft kann schon der Ortsbischof und in seinem Auftrag der Pfarrer von der Exkommunikation befreien, z.B. wenn ein Kirchenaustritt rückgängig gemacht werden soll). In offiziellen Fällen ist wieder ein eigener Prozess erforderlich, in dem am Ende ein Urteil die Aufhebung der Exkommunikation feststellen kann.

Wie war das bei den Bischöfen der Piusbruderschaft?

Der Obere der Pisubruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, weihte 1988 ohne die Erlaubnis des Papstes vier Bischöfe. Eine solche unerlaubte Bischofsweihe (auch wenn sie gültig gesprendet wurde) ist ein Beispiel für die sofrot eintretende Exkommunikation. Sowohl der Weihespender, die mitweihenden Bischöfe und die Neugeweihten hatten sich selbst von der Gemeinschaft der Kirche getrennt. Später hat der Vatikan diese Exkommunikaton auch noch formell bestätigt.

Bedeutet die Rücknahme der Exkommunikation gleichzeitig die inhaltliche Rehabilitierung der Piusbruderschaft dar?

Nein. Mit der Rücknahme der Exkommunikation wollte Papst Benedikt XVI. ein Zeichen des guten Willens der Kirche gegenüber den Traditionalisten geben. Damit wird in keinster Weise die unerlaubte Bischofsweihe und die inhaltliche Ausrichtung der Bruderschaft “legitimiert”. Die vier Bischöfe dürfen ihr Bischofs- und Priesteramt nicht ausüben. Im Gehorsam gegenüber dieser tatsache zeigen sie ihre Versöhnungsbereitschaft gegenüber dem Papst. Daran werden sie sich messen lassen müssen.

War die Rücknahme der Exkommunikation eines “Holocaust-Leugners” ein Fehler?

Ob sie ein Fehler war, wird man nach der großen Welle der Entrüstung sicher diskutieren können. Aus Sicht des Kirchenrechts spielt die persönliche Überzeugung des kritisierten Bischofs für die Frage der Exkommunikation keine Rolle, denn sie berührt eine historische Frage und keinen Bereich der Glaubenslehre oder der Kirchendisziplin. Es wäre auch kirchenrechtlich nicht möglich gewesen, nur den anderen drei Bischöfen die Exkommunikation nachzulassen.

Ist die Exkommunikation ein veraltetes Machtinstrument aus dem Mittelalter?

Sicher gab es Zeiten, in denen (nicht nur Päpste) sehr häufig die Exkommunikation auch aus politischen Motiven heraus ausgesprochen hatten. Das heutige Kirchenrecht bietet aber sichere Kriterien für die angemessene Anwendung dieser Strafe. Schließlich soll sie die betroffene Person zur Einsicht führen, dass ihr Verhalten, ihre Aussage oder Handlung nicht mit der Lehre der Kirche in Übereinstimmung gebracht werden kann.

Es ist erstaunlich, dass im Zusammenhang mit der Diskussion um die Piusbruderschaft viele Leute wieder die Förderung nach Exkommunikation in allen möglichen Fragen gefordert hatten. Wird sonst der Kirche mangelnde Barmherzigkeit vorgeworden, so verkehrte sich in diesem Fall die Argumentation ins Gegenteil.

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